Die Musikgesellschaft Berlingen feierte am Sonntag ihren runden Geburtstag
(jb) Sieben Dorfbrunnen waren von den anderen Vereinen geschmückt worden, ihre Fahnen bewegten sich nur sanft im lauen Lüftchen, und die Wetterkulisse war schon fast kitschig schön. Beim Einmarsch der Fähnriche waren praktisch alle Plätze auf der Stedi besetzt, und wer es etwas schattiger mochte, sass auf der Terrasse des Restaurants zum Schiff. Punkt 14.00 Uhr begann ein musikalischer und verbaler Marathon, der rund vier Stunden dauerte und, je nach Sitzplatz, ein gutes Gehör verlangte.
Wunderbare Blasmusik für Herz und Seele
Präsident Jeremy Wirz stellte den Festakt unter das Motto: Wunderbare Blasmusik für Herz und Seele, für uns selbst und die Bevölkerung. In den 100 Jahren ihres Bestehens habe die Musikgesellschaft Berlingen eine Vielzahl von Menschen zusammengebracht mit dem Ziel, eine Dorftradition zu etablieren und diese zu behüten. Daran habe sich bis heute nichts geändert, wenn auch die Bedingungen schwieriger geworden seien. Nach der Begrüssung der Gastvereine, der andere Dorfvereine und den folgenden Rednern, führte Marianne Thalmann durch das Programm. Die Dirigentin pflegt schon seit 40 Jahre ein besonderes Verhältnis zur MGB und hat immer wieder für sie im Einsatz gestanden.
Die MGB soll weiterhin den Ton angeben
Stellvertretend für die Grussworte aller Dorfvereine, jenes des Präsidenten der Schützengesellschaft Berlingen, Hans Ueli Trachsel: «In dieser Zeit hat die Musikgesellschaft viel zum Dorfleben beigetragen: mit eigenen Konzerten und als treue Begleiterin zahlreicher offizieller Anlässe. Gerne erinnern wir uns an die Auftritte, die wir selbst erlebt haben. Und danken den jeweiligen Präsidenten, Vorständen, Dirigenten und Musizierenden ganz herzlich dafür, dass sie ihre wichtige Rolle in unserem Gesellschaftsleben so virtuos gespielt haben und immer noch spielen. Die MGB hat sich auch bei personellen Engpässen nie vom Weg abbringen lassen. Mit viel Initiative, Kreativität und der Unterstützung von Gastmusikerinnen und -musikern hat sie es immer wieder geschafft, konzertreif und über Berlingen hinaus beliebt zu bleiben. Wir hoffen, dass sie weiterhin den (musikalischen) Ton im Dorf angibt».
Stolz auf die eigene Musikgesellschaft im Dorf
Ueli Oswald schloss nahtlos an diese Komplimente an: «Als Gemeindepräsident bin ich stolz darauf, eine eigene Musikgesellschaft im Dorf zu haben. Wenn ein Anlass ansteht, steht die MGB zur Verfügung. Musik gibt immer einen festlichen Rahmen, mit Musik läuft vieles einfacher. Mit Jeremy Wirz habe ich abgemacht, dass die Gemeinde den Apéro übernimmt, den wir zum Start des Festes geniessen durften, und den Musikanten schenken wir gerne neue Noten zum Einstudieren. Euer Präsident hat sich für das Stück ‹Minnie the Moocher› entschieden. Die Musikgesellschaft wird uns die neue Komposition an der Abendunterhaltung präsentieren».
Die Musik war trotz allem Trumpf
Falls der Eindruck entstehen sollte, es wäre nur geredet und kaum musiziert worden: Dem war nicht so. Der Gastverein MV Tägerwilen und die MG Berlingen spielten abwechslungsweise und mit stilistischen Unterschieden quasi um die Wette. Das Publikum war begeistert und verlangte zum Schluss mit Nachdruck Zugaben. Dazwischen gab es einen Höhepunkt der besonderen Art: Anita und Tom Wirz liessen die 100 Jahre MGB in einer Schnitzelbank zur Melodie «Bin i gopfriedstutz en Kiosk …» Revue passieren und ernteten damit kaum endenden Applaus. Nicht zu vergessen, dass auch der Vertreter des Thurgauer Kantonalmusikverbands, Vizepräsident Urs Rechsteiner, der MGB die Reverenz erwies und Erspriessliches aus früheren Zeiten zu berichten wusste. Präsident Jeremy Wirz zog eine rundum positive Bilanz. Besonders erwähnte er die Rolle des neuen Dirigenten, Yannick Rosenberg, der an diesem Tag definitiv seine Feuertaufe bestanden hat.